Für Eltern

Übersicht

Was kostet es?

Brawl Stars ist kostenlos – aber das Geschäftsmodell lebt von In-App-Käufen. Ein sachlicher Blick auf Preise, Mechaniken und den rechtlichen Rahmen.

Download & Grundspiel

Brawl Stars ist im Kern kostenlos spielbar („Free-to-Play"). Das Geschäftsmodell basiert jedoch auf In-App-Käufen, die den Fortschritt beschleunigen oder kosmetische Inhalte freischalten – und genau hier liegt der Punkt, an dem Eltern besonders genau hinschauen sollten.

Premium-Währung „Gems"

Gems (Edelsteine) sind die zentrale Kaufwährung im Spiel, gegen echtes Geld erworben. Sie ermöglichen den Kauf exklusiver Gegenstände sowie XP-Verbesserer, die den Spielfortschritt beschleunigen. Gems lassen sich auch – deutlich langsamer – durch Spielen verdienen.

Brawl Pass & Brawl Pass Plus

Ein saisonales System (meist 1 Monat Laufzeit), das gegen Bezahlung zusätzliche Belohnungen und einen beschleunigten Fortschritt freischaltet. Der Pass kann inzwischen nicht mehr mit Gems, sondern nur noch direkt mit Echtgeld erworben werden.

Lootboxen und Jugendschutz

Ein zentraler Kritikpunkt sind die sogenannten „Brawl Boxes" – zufällig befüllte Belohnungspakete, im Spiel-Jargon Lootboxen genannt. Jugendschutz.net hat vier Aspekte herausgearbeitet, die Lootboxen aus Jugendschutzsicht problematisch machen: digitale Sammelstücke mit hohem emotionalem oder spielerischem Wert, eine Verschleierung der tatsächlichen Kosten, ein gebündeltes Öffnen an einem zentralen Ort sowie ein audiovisuelles Öffnungszeremoniell, das gezielt Glücksgefühle erzeugt. Diese Mechanik ähnelt strukturell klassischem Glücksspiel: Einsatz, Zufall, Belohnung. In Deutschland gelten Lootboxen rechtlich bislang nicht als Glücksspiel – in Belgien und den Niederlanden dagegen schon, dort sind kostenpflichtige Lootboxen als illegales Glücksspiel eingestuft.

Wissenschaftlich ist der Zusammenhang zwischen Lootbox-Nutzung und problematischem Verhalten inzwischen recht gut belegt: Eine Schweizer Querschnittsstudie unter rund 1.000 Jugendlichen (Durchschnittsalter knapp 14 Jahre) fand einen deutlichen statistischen Zusammenhang zwischen Lootbox-Käufen und einer problematischen Videospielnutzung. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Nutzung von Lootboxen bei Jugendlichen stark verbreitet und mit einem erhöhten Risiko für eine Videospiel-Nutzungsstörung assoziiert ist, wobei trotz eines grundsätzlichen Verbots von Online-Glücksspiel für Minderjährige der Zugang zu glücksspielähnlichen Mechaniken über Lootboxen faktisch möglich bleibt.

Rechtlicher Rahmen für In-App-Käufe

Seit der Reform des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) 2021 müssen Spiele, die Kaufanreize und glücksspielähnliche Elemente wie Lootboxen enthalten, entsprechend gekennzeichnet werden – üblich ist der Hinweis „In-Game-Käufe (zufällige Objekte möglich)". Diese Kennzeichnung ersetzt jedoch keine technische Sperre: Sie informiert, verhindert aber keinen Kauf. Die eigentliche Kontrolle über Ausgaben liegt weiterhin bei den Eltern, über die Einstellungen des jeweiligen App Stores.

Wie die Bezahlung technisch abläuft

Die Zahlung läuft nicht direkt an Supercell, sondern immer über das Abrechnungssystem des jeweiligen App Stores (Apple App Store bzw. Google Play). Supercell selbst sieht nie die Kartendaten – das hat Konsequenzen dafür, wo Eltern ansetzen müssen.

  • Zahlungsmethoden: Üblich sind Kreditkarte, Debitkarte, PayPal, aufladbare Guthaben-/Geschenkkarten (App Store bzw. Google Play Card, z. B. am Kiosk oder im Supermarkt erhältlich) sowie – je nach Anbieter – die Abrechnung direkt über die Mobilfunkrechnung.
  • Hinterlegte Zahlungsmethode = geringere Hürde: Ist einmal eine Karte oder PayPal im Store-Konto hinterlegt, reicht danach oft ein einziges Antippen für einen Kauf. Bei Apple und Google gibt es zudem ein Zeitfenster (z. B. 15 Minuten), in dem nach einer Authentifizierung keine erneute Passwort- oder Face-ID-Abfrage nötig ist – in dieser Zeit können mehrere Käufe ohne weitere Bestätigung erfolgen.
  • Family Link (Android) / Bildschirmzeit mit Kaufgenehmigung (iOS): Ist das Kindergerät eingebunden, lässt sich eine „Familienzahlungsmethode" hinterlegen. Käufe des Kindes lösen dann eine Kaufanfrage an das Elterngerät aus, die erst per Passwort-Eingabe oder Fingerabdruck bestätigt werden muss – inklusive Anzeige von App, Betrag und Beschreibung, bevor freigegeben wird. Alternativ lässt sich festlegen, dass jeder kostenpflichtige Inhalt eine Genehmigung braucht, nicht nur Erstkäufe.
  • Ohne eingerichtete Kindersicherung: Ist kein Family Link / keine Kaufgenehmigung aktiv und ist eine Zahlungsmethode im Gerät hinterlegt, kann ein Kind theoretisch ohne jede Rückfrage einkaufen.
  • Zusätzliche Sperre über den Mobilfunkanbieter: Unabhängig von den Store-Einstellungen bieten die meisten deutschen Mobilfunkanbieter eine sogenannte Drittanbietersperre an, die Abbuchungen über die Handyrechnung generell blockiert – ein zusätzlicher, oft übersehener Schutzmechanismus.

Praktische Konsequenz: Der wirksamste Hebel ist nicht das Spiel selbst, sondern die Konto- und Geräteebene: keine dauerhaft hinterlegte Zahlungsmethode ohne Genehmigungspflicht, Kaufbestätigung per Passwort/PIN aktiv halten, und bei Bedarf die Drittanbietersperre beim Mobilfunkanbieter einrichten.

Empfehlungen für Eltern

  • In-App-Käufe im App Store / bei Google Play grundsätzlich sperren oder mit PIN-/Passwort-Bestätigung versehen.
  • Ein festes, dem Kind bekanntes Taschengeld-Budget für Spielkäufe vereinbaren, statt spontaner Einzelfreigaben.
  • Mit dem Kind konkret besprechen, dass Gems echtes Geld sind – Studien zeigen, dass gerade die Verschleierung der Kosten problematisches Kaufverhalten begünstigt.
  • Regelmäßig gemeinsam einen Blick auf tatsächlich getätigte Ausgaben werfen.